Warum Führung bei dir selbst beginnt: Einblicke aus dem echten Leben
Stell dir vor, du startest in eine neue Führungsrolle. Das Kribbeln, die Vorfreude, aber auch der Druck sind da. Vielleicht hast du schon eine Führungskräfteausbildung gemacht, die wichtigsten Tools und Methoden im Kopf – und dann sitzt du im ersten Teammeeting. Alles läuft anders als erwartet. Die Stimmung ist verhalten, einige schweifen ab, du merkst, wie du selbst auf der Suche nach Energie bist. Genau solche Situationen kennt jeder, der Führung übernimmt. Und genau hier setzt der Gedanke an: Gute Führung beginnt immer zuerst bei dir selbst.
Erwartungen prallen aufeinander – und du stehst mittendrin
Oft begegnen frisch gebackene Führungskräfte dem Idealbild, das überall propagiert wird: Empathisch, entscheidungsfreudig, immer erreichbar und klar in der Kommunikation. Dazu gibt es jede Menge Anleitungen, Ratgebervideos und Schulungen. Doch was passiert mit dir im Inneren, wenn die Realität anders aussieht als die Theorie? Wie reagierst du, wenn sich plötzlich alle Augen im Meeting auf dich richten und du spürst, dass dir gerade die Energie fehlt?
Ein Beispiel aus dem Alltag: Du moderierst ein Teammeeting, aber die Stimmung kippt. Die Kollegen beschäftigen sich mit anderen Themen, du fühlst dich verantwortlich, den roten Faden wiederzufinden – aber bist gerade selbst nicht präsent. Viele kennen diesen Moment. Die eigenen Erwartungen an dich als Führungskraft und die Ansprüche des Unternehmens prallen aufeinander. Es entsteht ein innerer Druck, möglichst alles richtig zu machen.
Mehr als Tools: Der innere Zustand zählt
Die wichtigsten Methoden helfen in solchen Situationen oft wenig, wenn der innere Zustand ungeklärt ist. Unter Stress oder Druck ist der Zugriff auf das eigene Wissen eingeschränkt, Automatisismen übernehmen das Steuer. Dann wird organisiert und kontrolliert – aber nicht wirklich geführt. Das ist kein Fehler, sondern ein Zeichen dafür, dass der Umgang mit den eigenen Emotionen und Situationen zu kurz kommt, wie Benedict im Podcast anspricht.
Hier wird klar: Die Fähigkeit zur Selbstführung ist entscheidend. Nicht die Technik oder das Tool, sondern die innere Klarheit ist die Basis wirksamer Führung.
Selbstführung – was heißt das?
Selbstführung bedeutet nicht, dass du dich nur um dich selbst drehst und das Team aus dem Blick verlierst. Es heißt, dass du einen bewussten Umgang mit deiner Rolle findest. Ein klares Rollenbild – also die Frage, wie du deine Führungsrolle leben und wahrgenommen werden willst – gibt dir Orientierung. Dieses Bild entsteht nicht aus der Beschreibung im Unternehmen, sondern aus der persönlichen Auseinandersetzung mit dir selbst.
Ein ganz praktisches Beispiel: Im Meeting herrscht Stille. Viele empfinden das als unangenehm und reagieren impulsiv, nur um die Stille zu überbrücken. Häufig sind das genau diejenigen, die am meisten Aufgaben übernehmen, weil sie den Drang verspüren, aktiv werden zu müssen. Doch hier liegt eine große Chance: Den Raum zwischen Reiz (Stille) und Reaktion (Schnell etwas sagen) bewusst wahrzunehmen und zu nutzen.
Der Moment zwischen Reiz und Reaktion
Ein wertvoller Tipp aus dem Podcast: Verlangsame den Moment zwischen Reiz und Reaktion. Das schafft Spielraum für bewusstes Handeln. Anstatt automatisch und impulsiv zu reagieren, kannst du einen Moment innehalten, kurz nachdenken und dann bewusster entscheiden, wie du agierst. Das kann im Alltag so aussehen, dass du in einer kritischen Situation einmal tief durchatmest – und zwar richtig, indem du erst vollständig ausatmest und dann einatmest – bevor du weiterredest. Mit diesen wenigen Sekunden gewinnst du Kontrolle, bist klarer und kannst gezielter entscheiden.
Solche kleinen Pausen machen einen großen Unterschied: Sie geben dir die Möglichkeit, aus dem Automatismus auszusteigen und die Führung zu übernehmen – bei dir selbst und im Team.
Verantwortung teilen – und dabei wachsen
Ein weiterer Aspekt, der oft zu kurz kommt: Verantwortung aufteilen ist keine Flucht vor der eigenen Selbstverantwortung. Im Gegenteil, es zeugt von Stärke, wenn du erkennst, dass andere im Team bestimmte Aufgaben besser übernehmen können. Das fördert das gesamte Team und zeigt, dass du als Führungskraft nicht alles allein wissen und erledigen musst.
Gerade zu Beginn deiner Führungsrolle solltest du dir bewusst machen: Niemand erwartet, dass du auf alles eine Antwort hast. Es ist in Ordnung, offen zu sagen, wenn dir die Energie fehlt oder du für manche Themen mehr Zeit und Informationen brauchst. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck deiner Fähigkeit zur Selbstführung.
Tipp aus der Praxis: Selbstbeobachtung und Feedback
Um das eigene Führungsverhalten zu verbessern, hilft vor allem eines: Selbstbeobachtung. Nimm wahr, wie du in bestimmten Situationen reagierst, welche Themen dich triggern und wo du immer wieder auf gleiches Verhalten zurückgreifst. Bitte zum Beispiel einen Kollegen nach dem Meeting um ein kurzes Feedback: Was hat gut funktioniert? Was könntest du anders machen? Es ist völlig normal, dass Führung sich am Anfang herausfordernd und manchmal auch schwer anfühlt.
Führung ist Kommunikation – Überraschungen inklusive
Führung ist kein mechanischer Prozess. Man kann nicht einfach „X tun und Y passiert“. Besonders die Kommunikation mit Menschen ist immer wieder für Überraschungen gut. Egal, ob du frisch in der Rolle bist oder schon länger Erfahrung hast: Unsicherheit ist völlig normal. Sogar erfahrene Führungskräfte geben zu, dass sie manchmal nicht weiter wissen. Wichtig ist, den Mut zu haben, diese Unsicherheit zuzulassen und offen anzusprechen.
Fazit: Innere Klarheit schafft Wirksamkeit im Außen
Selbstführung ist die Grundlage für alles, was nach außen wirkt. Wenn du innerlich klar bist, kannst du menschlich und wirksam führen – unabhängig von deiner Erfahrung oder Position. Niemand verlangt Perfektion. Oft sind es kleine Impulse und bewusste Momente, die langfristig große Veränderungen bewirken.
Reflexionsfragen:
In welchen Situationen reagiere ich besonders impulsiv und warum?
Wie sieht mein persönliches Rollenbild als Führungskraft aus, und wie möchte ich wahrgenommen werden?
Wen im Team könnte ich fördern, indem ich gezielt Verantwortung teile?
Wenn du das vertiefen willst, melde dich.
