Von Bedürfnissen umgeben – und wo bleibe ich im Arbeitsalltag?

Ein Tag wie viele andere als Führungskraft.

Ein Plan, Meetings, Gespräche.

Erwartungen von allen Seiten: vom Unternehmen, von der eigenen Führungskraft, von den Mitarbeitenden.

Ein typischer Tag im mittleren Management.

Abends zu Hause: ein freudiger Sohn, eine präsente Partnerin, ein Baby, das mich angrinst.

Auch hier Bedürfnisse. Auch hier Erwartungen.

Von morgens bis abends derselbe innere Auftrag: präsent sein.

Als Führungskraft. Als Mitarbeiter. Als Vater. Als Ehemann.

Und dann, spät abends, wenn Ruhe einkehrt, diese Erkenntnis:

Ich hatte heute eigentlich auch Bedürfnisse.

Geht es als Führungskraft, die für andere da sein will, also darum, die eigenen Bedürfnisse dauerhaft hintanzustellen?

Was das Thema im Arbeitsalltag so schwierig macht:

Bedürfnisse werden selten als solche benannt.

Da kommt eine Mail.

Da kommt ein Anruf.

Da steht eine Kollegin oder ein Kollege am Tisch und fragt: „Hast du kurz Zeit?“

Wir sind nicht besonders gut darin, unsere Bedürfnisse klar zu äußern.

Und im Business-Kontext haben Emotionen und Bedürfnisse ohnehin wenig Platz – zumindest so, wie sie eigentlich kommuniziert werden müssten.

Wann hast du zuletzt zu einer Kollegin oder einem Kollegen einfach gesagt:

Nein.

Kein Rechtfertigen.

Keine Entschuldigung.

Nein, gerade habe ich keine Zeit. Ich melde mich später.

Klingt schroff.

Natürlich hängt es von der Beziehung ab.

Aber darum geht es nicht.

Natürlich hilft man dann doch.

Ein paar Minuten hier, ein Meeting dort etwas später.

Und plötzlich hinkt man nach.

Das schlechte Gewissen wächst – nicht, weil man etwas falsch gemacht hat,

sondern weil man wieder einmal über sich selbst hinweggegangen ist.

Gerade Menschen, die Verantwortung ernst nehmen, geraten hier in eine stille Schieflage.

Bin ich nur dann eine gute Führungskraft, wenn ich immer für alle da bin?

Wenn ich mich de facto aufopfere?

Oder bin ich erst dann eine gute Führungskraft, wenn ich genau hier eine Grenze ziehe?

Führungskräfte sind Vorbilder. Sie leben Werte vor.

Wenn ich jederzeit verfügbar bin, sende ich eine klare Botschaft:

So hat Arbeit hier zu funktionieren.

Wer immer erreichbar ist, erzeugt unausgesprochene Erwartungen.

Nicht nur an sich selbst – sondern auch an andere.

Und dabei geht es nicht um Ignorieren.

Ich kann auch sagen:

Nein, gerade habe ich keine Zeit. Aber ich nehme mir Zeit für dich. Passt es um 14 Uhr?

Dann bin ich da. Wirklich da.

Ist das nicht echte Präsenz?

Echte Eigenverantwortung beginnt nicht beim Nein zu anderen.

Sie beginnt beim Ja zu mir selbst.

Die eigentliche Frage ist nicht, wie oft ich verfügbar bin.

Sondern wie gut ich mit meinen eigenen Bedürfnissen in Kontakt bin –

und ob ich mir erlaube, ihnen Ausdruck zu verleihen.

Mach dir keine Gedanken darüber, professionell zu klingen. Klinge einfach wie du selbst. Es gibt über 1,5 Milliarden Websites da draußen, doch es ist deine Geschichte, die diese von allen anderen unterscheiden wird. Wenn du deinen Text laut vorliest und in deinem Kopf nicht deine eigene Stimme hörst, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass du noch Arbeit vor dir hast.

Sei klar, sei selbstbewusst und denk nicht zu viel nach. Das Schöne an deiner Geschichte ist, dass sie sich immer weiter entwickeln wird – und deine Website mit ihr. Dein Ziel sollte darin bestehen, dass sie sich im Hier und Jetzt richtig anfühlt. Alles Weitere kommt von selbst. Das tut es immer.